Realität auf Instagram - wieso wir JETZT andere Bilder brauchen

Vom Wochenbett,  Newborn-Fotos ... und Sport,  hää?

 
So kann es nicht weitergehen! Realität auf Instagram und seinen Bildern.
 
 

Dokumentarische Fotos liegen mir am Herzen. Und dafür gibt es so gute und – noch viel wichtiger – wertvolle Gründe. Bevor ich das erste Mal Mutter wurde, war mir klar, dass vor mir eine bedeutende, Nächte raubende, wunderbare Aufgabe liegt. Glas klar. Bauchrund klar. So wie man es sich eben denkt, bevor man das erste Mal Mutter wird.

Eingelesen hatte ich mich nicht viel. Denn ich wollte alles natürlich angehen. Meinen Instinkten vertrauen. Doch um die Wartezeit zu versüßen und die unruhigen Nächte mit dickem Babybauch zu bewältigen, nahm ich mein Handy zur Hand – und wurde in den Bann gezogen der unzähligen Plattformen, Ausstattungstrends, Babyzimmer-Deko-Künstler und süßen Social Media-Newborns mit ihren sportlichen, schlanken Mamis.

Alle hatten gemeinsam, dass meine Freude auf das Kind und die kuschelige erste Zeit gestärkt wurden. Diese naive heile Welt Vorstellung des Mamaseins. Und meine Kilos würde ich direkt auch wieder verlieren. Ich bin ja sportlich. Meinen Körper bekomme ich wieder so hin wie vorher ohne Kind.

Mutterschaft in Bildern

Mittlerweile ist etwas Zeit vergangen. Mittlerweile denke ich anders. Warum soll der Körper einer Frau nach der Geburt so aussehen wie zuvor, als habe sie nie ein Kind bekommen? Und das am besten direkt danach. Damit andere einen bewundern. Damit andere diesen Zustand mit einem ‚Wow‘ wertschätzen. Warum, liebe Mamis da draußen, wird uns so ein Bild auferlegt, an dem wir jetzt hart, wirklich hart zu kämpfen haben es gerade zu biegen?

Ein Mittel dazu ist die Fotografie. Denn, wo viele realitätsferne Bilder gepostet werden, können genauso viele reale gezeigt werden. Die der Mutter nach der Geburt mit weichem, noch aufgeblähtem Bauch. Die Bilder einer Familie im Wochenbett. Die Wohnung im Chaos. Die halb aufgegessene Pizza-Lieferung auf dem Tisch. Irgendwo dazwischen die Eltern zwischen Liebesglück und Zerreißprobe. Es ist eine Ehre für mich, davon Bilder machen zu dürfen. Diesen Ausnahmezustand für die Familie festzuhalten. Damit diese sich an diese wunderbare, aufregende Zeit zurückbesinnen kann. Die Bilder als Erinnerungsstütze. Und als ‚Hallo‘ an die Welt da draußen.

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Babyfotoshooting - das drapierte Kind

Stattdessen planen wir ein Newborn-Fotoshooting bis hin zu Details. Ist eine Uhr vorhanden, auf der wir die Geburtszeit erfassen können? Ein Kalender tut es auch. Wir ziehen uns farblich zueinander passende Kleidung an, machen dasselbe mit unserem Baby und hoffen auf viel Licht und Sonnenschein für tolle Familienfotos. Unser Baby legen wir dann in einen mit Fell oder Wolldecke ausgestatteten Korb – und lassen es dort für die Fotos allein liegen. Schauen zu, hoffen, dass es alles verschläft. Ruhig bleibt. Ein paar Mal heben wir es auf, knuddeln es, versuchen uns an die Posen zu erinnern, die wir im Internet auf zick Bildern gesehen haben, die uns gefallen haben. Wenn das Baby in der Zeit weint, sind wir überfordert. Fragen uns, ob denn überhaupt gute Fotos dabei sind. Denken an die Bilder, nicht an das Kind. Denn es kann gut sein, dass das Kind weint, weil es allein in diesem Korb liegt – und nicht an der warmen Brust eines Elternteils, nach der es sich als Neugeborenes sehnt.

Diese Worte klingen hart. Besonders, weil auch wunderbare Fotografien daraus entstehen, mit echten Emotionen. Nicht von weinenden Babys, sondern von Eltern, die ihr Kind zum Glucksen und Lachen bringen und es liebkosen. Aber eben aus einer angewiesenen Situation heraus. Diese spiegeln selten die wahre Wochenbettzeit wider.

Dokumentarische Familienfotos

Ich spreche so darüber, da ich es selbst so getan habe. Mein Erstgeborenes habe ich in einem Livestyle- Newborn-Babyshooting ablichten lassen. Unwissend, dass es eine andere Art der Fotografie gibt, in der das Kind nicht aus seinem gewohnten Alltag genommen werden muss. Bei der das Shooting nicht im Vordergrund steht, sondern der Familienalltag. Die Fotos entstehen nebenbei.

Hier muss das Baby nicht mit süßen Bauchweh-Tropfen besänftigt werden, um für Fotos ruhig weiterzuschlafen. Auch ein Föhn kommt selten zum Einsatz – es sei denn, die Familie nutzt ihn immer in ihrem Alltag. Und mein Herz geht auf, wenn ich an solche Familien-eigenen Szenerien denke. Dinge, die die Familie und diese wunderbare erste Zeit mit Baby ausmachen.

Gehen solche Bilder online und werden weit hinaus in die Welt getragen, nehmen wir den Druck aus den Frauen und Familien ‚perfekt‘ sein zu müssen. Wir verbreiten das Bild der intimen, innigen und wichtigen Wochenbettzeit. Der Kennenlernzeit. Und lassen die Familien in ihrer kleinen Blase leben. Nichts und niemand kommt vorbei und rüttelt sie dort raus.

Ich muss gestehen, ich fühle mich dahingehend etwas wachgerüttelt. Denn bei mir hat mit der Geburt meines Kindes ein Prozess stattgefunden, der mich zu diesen Ansichten geführt hat. Ich verurteile hiermit auch niemanden, denn jede Familie muss und kann und soll für sich entscheiden, wie sie es richtig findet.

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Mutter werden

Meine Social-Media-Blase platzte als ich mit der Realität einer anstrengenden, unnatürlichen, Schmerzmittel-aufgepumpten Geburt konfrontiert wurde. Meine Wünsche und Vorstellungen wurden nicht einmal in Ansätzen erfüllt. Umso stärker entwickelte sich bei mir in den kommenden Monaten der Wunsch dieses Kind meinen Urinstinkten nach zu begleiten. Auch Bücher wie Jean Liedloffs 'Auf der Suche nach dem verlorenen Glück – Gegen die Zerstörung unserer Glücksfähigkeit in der frühen Kindheit'* führten mich in diese Richtung. Wunderbare Literatur, wenn es darum geht, sich auf das Wesentliche im Wochenbett zu konzentrieren zu lernen: die Kennenlernzeit, das sich Geborgenfühlen des Babys, die körperliche sowie seelische Heilung der Mutter.

Und ich wiederhole es nochmal, da es für mich soo wichtig ist: Diese Haltung sollten wir verbreiten. Und ich versuche diesen Weg durch die dokumentarische Fotografie zu finden.

 

Eure Olivia
von Linsenliebling

 

Jetzt bist du so begeistert von der Idee eines dokumentarischen Fotoshootings?

 

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Natürliche Baby- & Familienfotografie

Hi, ich bin Olivia. Dokumentarische Fotografin und Filmemacherin für Familien, Babys und Wochenbett-Reportagen. Hier in meinem Blog für Eltern findest du Fototipps für natürlich schöne Babyfotos & Familienfotos. Und auch ganz viele DIYs.

Viel Spaß beim Stöbern!

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